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Being Social in HR. Realität oder Zukunftsmusik? Gastartikel von Jörg Buckmann

Wien ist für Viele die Stadt der Musik schlechthin. Auch für mich, spätestens seit Falco und einem Besuch mit meiner Frau Gemahlin in der Stadt Mozarts und Johann Strauss‘. Ich freue mich auf die „Being Social Opening Discussion“ von und mit Anne Breitner und anderen spannenden Personen der österreichischen Social Media Szene (man möge mir diesen Ausdruck verzeihen) in dieser wunderschönen Stadt.

Österreich scheint ja nicht nur seiner weltberühmten Komponisten wegen die Töne ganz gut zu treffen – auch in Sachen Personalmarketing spielen Unternehmen wie Kununu oder seit Neuestem Whatchado gekonnt auf der Personalmarketingklaviatur. Interessant. Auch in der Schweiz sind moderne Formen des Personalmarketings in aller Munde. Vor allem die Zauberwörter „Social und Media“ haben es den Personalern angetan. Alle sprechen darüber, nur: im real gelebten Alltag ist noch nicht allzu viel davon angekommen.

Immerhin: die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) machen seit zwei Jahren mit ein paar frischen Ideen auf sich aufmerksam und sammeln dabei auch wertvolle Erfahrungen mit Social Media. Die (Berufs-) Welt im Wandel Wir nehmen gerade einmal so an einer unglaublichen Entwicklung teil. Dr. Hans-Christoph Kürn hat sie dieser Tage an einer Veranstaltung in München schlicht als eine neue industrielle Revolution bezeichnet: Wie wahr. Das Web 2.0 und die damit verbundene Vernetzung revolutioniert in der Tat unsere Kommunikationsgewohnheiten von Grund auf.

In der privaten und beruflichen Kommunikation bleibt kein Stein auf dem Andern. Das Web 2.0 ermöglicht es Allen, sich zu vernetzen und direkt über alle Grenzen hinweg zu kommunizieren. Dieser Blog ist ein wunderbares Beispiel dafür. Und es geht weiter. Der mobile Zugriff auf das Internet lässt den guten alten PC schon wieder ziemlich alt aussehen. Wir kaufen im Internet ein, tätigen unsere Einzahlungen darüber, laden Musik und Filme herunter und konfigurieren selber das neue Auto. Doch was kommt eigentlich von dieser rasanten Entwicklung im Personalmarketing an? Wie interaktiv, benutzerfreundlich und schön sind die Karrierewebseiten? Warum sehen die Stelleninserate noch immer wie in den 1950-er Jahren aus, selbst auf den online-Stellenplattformen? Warum sind noch immer verhältnismässig wenige Firmen auf Social Media Kanälen im Dialog mit ihren künftigen Bewerberinnen und Bewerben?

Von diesen Fragen haben sich die Verkehrsbetriebe Zürich 2010 leiten lassen, ihren Auftritt auf dem Arbeitsmarkt radikal neu zu denken. Denn gerade in und um Zürich, der Wirtschaftsmetropole der Schweiz, ist der Arbeitsmarkt ein Arbeitnehmermarkt. Dabei hat der Wind nicht nur bei den üblichen Verdächtigen, den Hochschulabgängern, gedreht. Längst sind auch gute Handwerker, IT- und andere Ingenieurinnen oder auch zuverlässige Berufschauffeure gesucht wie nie und die demographische Entwicklung lässt erahnen, dass dies vielmehr Trend als Strohfeuer ist.

 

Wir bewerben uns. Den Wandel zum Arbeitnehmermarkt nehmen die VBZ nun wörtlich. Darum bewerben sich die Vorgesetzen persönlich bei spannenden Berufsleuten und zwar in 3-5 minütigen Jobvideos .

 

Zwei Aspekte machen dieses Vorgehen speziell: Zum Einen die Konsequenz, denn alle freien Stellen werden so beworben, nicht nur ein paar Ausgewählte. Macht rund 60 Jobvideos in zwei Jahren. Und zum Anderen die neue Rolle der Führungskräfte im Personalmarketing. Indem sie persönlich ihre freie Stellen bewerben, werden sie in einer bislang noch nie dagewesenen Form und Intensität in die Personalsuche eingebunden. So wird die Rollenverteilung deutlich: Personalgewinnung ist Chefsache, HR unterstützt professionell.

 

Die Videos werden auf den klassischen Kanälen der Personalwerbung eingesetzt, aber auch auf Social Media Kanälen wie Youtube bzw. Vimeo, als Werbevideos auf der App des Zürcher Tages-Anzeigers oder auf Facebook. Das verlangt nach einer neuen Medienkompetenz der Vorgesetzten und vor allem der HR-Verantwortlichen, die den Prozesslead haben. Die Rolle von HR verändert sich – langsam, aber gewaltig.

 

Millionen von Schweizerinnen und Schweizer vernetzen sich auf Social Media Plattformen wie Xing oder Facebook. Auf Kununu.com haben sich über 10‘000 Personen über die VBZ als Arbeitgeberin informiert, mehrere Dutzend eine Bewertung abgegeben. Being Social ist für Viele Realität, doch noch halten sich viele HR-Veranwortliche auf dem vermeintlich sicheren Beobachtungsposten auf. Doch worauf warten sie denn?

 

Die VBZ sammeln derzeit wertvolle Erfahrungen im Dialog mit den Zielgruppen. Auf der Facebook-Fanpage des Personalmanagement und auf Kununu werden dabei schon einmal Diskussionen um vermeintliche Diskriminierungen bei der Bewerberauswahl geführt oder Mitarbeitende beklagen sich über (effektive oder vermeintliche) Missstände. Jetzt wird mehr und mehr Dialog geführt statt Einwegkommunikation betrieben. Das Tolle daran: es macht Spass!

 

Es tut noch nicht einmal weh! Damit holen sich die VBZ heute schon die kommunikative Grundfitness, um künftig pro-aktiver zu rekrutieren. Das Ende des Post-and-Pray Prinzips ist in Sicht. Doch dafür braucht es andere Kompetenzen als noch vor wenigen Jahren: Marketing, Verkauf und Kommunikation gehören zu den Grundkompetenzen zumindest der Recruiter der Zukunft. HR muss – endlich – lernen, being social zu sein.

 

Ich freue mich sehr auf eine lebhafte Opening Discussion in Wien.

Jörg Buckmann

Jörg Buckmann kennt die Welt des öffentlichen Verkehrs aus seiner langjährigen Tätigkeit bei den Schweizerischen Bundesbahnen. Dort war er Personalleiter Schweiz für das Verkaufs- und Zugpersonal und zuletzt Leiter Personalpolitik von SBB Personenverkehr.

Seit nunmehr fünf Jahren beschäftigt er sich mit (fast) allen Personalthemen bei den Verkehrsbetrieben Zürich, dem mit 2400 Mitarbeitenden zweitgrößten Verkehrsunternehmen der Schweiz.

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[...] war eingeladen, an einer Kurzkonferenz über das Vorgehen der VBZ in der Personalgewinnung und über die neue und zentrale Rolle der Vorgesetzten in der Bewerbung [...]